SONNTAG: Aids-Hilfe Freiburg startet Arbeitgeberkampagne gegen Diskriminierung

Weit schwerer als die gesundheitlichen Folgen einer HIV-Infektion wiegen heute oft die Diskriminierung und die Angst davor. Die Deklaration „Positiv arbeiten“ soll dem entgegenwirken. Die Aids-Hilfe Freiburg sucht Arbeitgeber, die sich beteiligen – drei hat sie bisher gewinnen können. „Unsere Präventionsarbeit zeigt gute Erfolge, die Zahl der Neuinfektionen geht weiterhin zurück“, sagte Ulrike Hoffmeister, Geschäftsführerin der Aids-Hilfe Freiburg, diese Woche bei der jährlichen Pressekonferenz zum Welt-Aids-Tag am 1. Dezember. Wer HIV-positiv ist, könne heute dank Medikamenten ein gutes Leben führen, sei im Job uneingeschränkt leistungsfähig und übertrage das Virus selbst beim Sex nicht. Allerdings: „So erfolgreich wir in der Präventionsarbeit sind, so schwierig ist es, gegen die Diskriminierung zu kämpfen, denen HIV-positive Menschen nach wie vor ausgesetzt sind“, sagte Hoffmeister. Die alten Bilder von dahinsiechenden und hochansteckenden Aidskranken seien nach wie vor in vielen Köpfen präsent. Hinzu komme eine teils ausgeprägte Homophobie, die sich etwa in der Ablehnung schwuler Kollegen äußere, denn Männer, die Sex mit Männern haben, sind weiterhin die am stärksten von HIV betroffene Gruppe. Die Folgen der Diskriminierung sind laut Hoffmeister erheblich: „Wer ausgegrenzt wird oder mit Ausgrenzung rechnet, geht seltener zum Test und erhält folglich auch keine Therapie.“

Mit der Kampagne „Positiv arbeiten“ will die Aids-Hilfe Freiburg nun ein Zeichen setzen und der Stigmatisierung entgegenwirken. Unter dem Motto „HIV ist Teil von Diversity“ hatte die Deutsche Aids-Hilfe im Juni zusammen mit 50 Unternehmen – darunter IBM, SAP, die Deutsche Bahn sowie Städte wie Mannheim und Nürnberg – die Kampagne für Akzeptanz und Solidarität gestartet. Arbeitgeber, die die Deklaration unterzeichnen, verpflichten sich zu einem respektvollen Miteinander. Workshops für Führungskräfte und Betriebsrat sorgen für Aufklärung, Betroffene können sich an geschulte Ansprechpartner wenden. Aus Freiburg dabei sind die Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe (FWTM), die Stiftungsverwaltung und die Unterlinden-Apotheke.

Sie sei von der Kampagne sofort angetan gewesen, sagt Hanna Böhme, FWTM-Geschäftsführerin und seit diesem Jahr Mitglied im Kuratorium der Aids-Hilfe. Im Gespräch mit ihrem Geschäftsführungskollegen Daniel Strowitzki, dem erweiterten Führungskreis und dem Betriebsrat sei rasch klar geworden: „Die FWTM ist kein Platz für Diskriminierung – wir machen mit“, berichtet Böhme. Ob es in ihrem Betrieb Menschen gibt, die HIV-positiv sind und bisher Sorge hatten, das zu verbalisieren, wisse sie nicht, sie sei jedoch sicher, dass das Bekenntnis helfen kann, ein Klima der Offenheit und Solidarität zu schaffen, in dem Ängste überwunden werden. Die Unterschrift unter die Deklaration sehe sie als „eines von vielen kleinen Signalen nach innen und außen“, die Veränderungen in der Gesellschaft anstoßen können.

„Die Begegnung mit Menschen in ihrer ganzen Vielfalt ist ja unser Thema“, sagt Marianne Haardt, Direktorin der Stiftungsverwaltung Freiburg, zu der Heiliggeistspitalstiftung, Waisenhausstiftung und Adelhauserstiftung gehören. Die Reaktion der Belegschaft der 580 in Alten-, Kinder- und Jugendhilfe Beschäftigten sei positiv gewesen. Die Stiftungsverwaltung wolle bewusst Vorbild für andere Betriebe in der Region sein und sie ermutigen, sich gegen Diskriminierung zu positionieren – sei es nun aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts, der sexuellen Orientierung oder eines psychischen oder körperlichen Handicaps, sagt Haardt, die ebenfalls Mitglied im Kuratorium der Aids-Hilfe Freiburg ist. Insgesamt habe man 15 Unternehmen angeschrieben, darunter große Player wie den Europa-Park und die Sick AG, und sei nun gespannt auf die Reaktion, berichtet Hoffmeister.

In Südbaden sind derzeit rund 1 100 Menschen wegen HIV in Behandlung, 202 von ihnen werden von der Aids-Hilfe Freiburg betreut. 31 Personen nahmen dieses Jahr neu Kontakt auf, von den 529 Personen, die sich beim offenen „Checkpoint“ testen ließen, war ein Fall positiv. Sehr gut angenommen wird die medikamentöse Präexpositionsprophylaxe („Prep“), die seit September von den Krankenkassen bezahlt wird. Laut Pädagoge Robert Sandermann stieg die Zahl der Nutzer von 25 im Vorjahr auf 115: „Für Menschen mit sehr vielen und wechselnden Sexualpartnern ist das eine gute Möglichkeit, sich präventiv zu schützen.“

Quelle: https://www.badische-zeitung.de/fuer-ein-klima-der-solidaritaet–180054973.html