fudder: Freiburg könnte mit „QueerZ“ ein queeres Zentrum bekommen

QueerZ e.V. - Queeres Zentrum Freiburg

Eine zentrale, sichere Anlaufstelle für schwule, lesbische, bisexuelle, transgender und queere Personen aus der Umgebung: Das ist der Plan mehrerer queerer Vereine aus Freiburg, die zusammen ein Zentrum eröffnen wollen.

Die Idee gibt es schon länger. Sie kam bisher nur nie über die Anfangsphase hinaus. Das queere Vernetzungstreffen Freiburg, in dem alle Gruppen vertreten sind, und der neugegründete Verein QueerZ geht nun gezielt vor, um den Plan ein für alle Mal in die Tat umzusetzen. Ronny Pfreundschuh und Annika Spahn von QueerZ stehen hinter dem Vorhaben erzählt, welches sowohl die soziale als auch die kulturelle Seite der queeren Szene Freiburgs widerspiegeln soll.

Raum für queere Gruppen und mögliche ZusammenarbeitAlle queeren Gruppen aus Freiburg haben Raumprobleme: entweder sie zahlen zu hohe Mieten für nur ein paar Mal wöchentlich genutzte Räume, ihre Versammlungsorte liegen außerhalb oder an den Grenzen von Freiburg, oder sie dürfen die von der Stadt gestellten Räume nicht so gestalten wie sie es gerne hätten. Außerdem sind die queeren Gruppen verstreut über die Stadt verteilt, was eine Zusammenarbeit und Vernetzung untereinander schwierig macht. Diese Probleme könnten alle durch ein zentrales und gemeinsam verwaltetes Zentrum, in dem alle Vereine zu Hause sind, gelöst werden.

Dort könnte es Räume für Plena, Planungstreffen, Besprechungen, Beratungen, Filmvorführungen und viele andere Arten von Veranstaltungen geben, und auch einen Lagerraum, zum Beispiel für das CSD-Orgateam, das sein Material bisher immer verteilt bei seinen Mitgliedern unterbringen musste. Ein fester Ort, an dem alle Gruppen adäquate Räume finden können und die Community so zusammenwachsen kann. Auch wäre es eine zentrale erste Anlaufstelle für all jene die Anschluss an die queere Szene Freiburgs finden möchten oder mit ihren Fragen und Problemen nach Rat suchen.

Ein sicheres Kultur- und FreizeitzentrumDas queere Zentrum Freiburg soll laut Organisatoren aber nicht nur die soziale und politische Ader bedienen, sondern auch Raum für diverse kulturelle Veranstaltungen bieten. Neben Ausstellungen, Theaterstücken oder Lesungen soll es ein Café oder eine Bar geben. Auch das Nachtleben soll bereichert werden – mit Freiburgs erstem queeren Club, in dem an jedem Wochenende entweder vom Zentrum selbst, von den verschiedenen Gruppen oder von Vereinen von außerhalb Partys veranstalteten werden sollen. Oberste Priorität hat hierbei das Sicherheits-Konzept: jeder soll sich sicher fühlen und ausgelassen feiern können. Ein Raum frei von Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit und Rassismus. „Viele fühlen sich im Freiburger Nachtleben einfach nicht mehr sicher“, sagt Annika Spahn von QueerZ. „Für manche ist zum Beispiel das Bermuda-Dreieck zur No-Go-Area geworden.“ Um das queere Zentrum zu einer sicheren und angenehmen Partylocation für alle zu machen soll ein Awareness-Konzept erstellt werden.

Sichtbar seinEin großer Teil der queeren Subkultur hat sich ins Internet verlagert, die vielen Vereine sind in der ganzen Stadt verstreut – dadurch ist das queere Leben in Freiburg nicht sehr sichtbar. Events wie der CSD zeigen hingegen, dass die queere Kultur bei den Menschen in Freiburg nicht nur willkommen ist, sondern zelebriert wird. Der CSD Freiburg ist der viertgrößte Deutschlands und zieht Menschen aus der ganzen Umgebung an. Sichtbarkeit der queeren Szene bringt nicht nur den queeren Menschen selbst etwas, sondern der Stadt. Das queere Zentrum ist laut den Organisatoren ein Versuch das queere Leben wieder etwas mehr in die Öffentlichkeit zu rücken, Lokalitäten in der Innenstadt würden bevorzugt werden. „Queere Menschen wollen schließlich akzeptiert werden und das gelingt nur wenn sie sich inmitten der Menschen aufhalten“, sagt Ronny Pfreundschuh von QueerZ. Oder wie in diesem Fall: in der Mitte der Stadt. Das Team von QueerZ hat sogar schon eine Wunschlokalität: den ehemaligen BalzBambii-Club in der Kaiser-Joseph-Straße 248, auch um das Bermuda-Dreieck wieder attraktiver und sicherer für queere Menschen zu machen.

In anderen Städten gibt es so ein Zentrum schonZuspruch findet die Idee nicht nur bei queeren Vereinen und Organisationen der Stadt, wie dem CSD, der Rosa Hilfe oder dem Regenbogenreferat des AStA, sondern auch bei anderen wohltätigen Vereinen wie dem Frauen- und Mädchen Gesundheitszentrum und Parteien wie SPDqueer oder der Grünen Jugend. Auf die Unterstützung der Stadt ist das queere Zentrum gänzlich angewiesen, denn nur durch ihre Hilfe kann das momentan noch von Ehrenamtlichen gestemmte Vorhaben überhaupt realisiert werden. Das nicht-kommerzielle Zentrum wird Hilfe bei der Miete und den Renovierungsarbeiten benötigen. In anderen Städten wurden ähnliche Konzepte mit Unterstützung der Gemeinden schon umgesetzt – mit großem Erfolg. Zu nennen wären hier: Göttingen, Trier, Darmstadt oder Braunschweig.

Quelle: http://fudder.de/freiburg-koennte-mit-queerz-ein-queeres-zentrum-bekommen–173729720.html