CSD Empfang der Stadt Freiburg am 28.06.2019

CSD Empfang 2019 - Stadt Freiburg

Oberbürgermeister Martin Horn auf Instagram:

„Danke @csdfreiburg für ein wunderbares Fest der Vielfalt! Eine Woche nachdem tausende Menschen beim Freiburger #christopherstreetday gefeiert haben, habe ich heute Abend ca. 80 Engagierte rund um die queere, weltoffene Community eingeladen. Beim ersten offiziellen CSD Empfang im Freiburger Rathaus gab’s neben Dankworten auch einen klaren politischen Appell: Es gibt noch viel zu tun. Wir müssen weiterhin gegen Ausgrenzung aufstehen. Lasst uns individuell leben und lieben – ohne Diskriminierung.“

https://www.instagram.com/p/BzRJpHDHtWK/

CSD Freiburg e.V. auf Instagram:

„Gestern Abend fand zum ersten Mal der CSD Empfang der Stadt Freiburg statt. Wir freuen uns, dass mit den Wechseln im Rathaus und dem Amt für öffentliche Ordnung die Zusammenarbeit mit der Stadt konstruktiver und freundlicher war als die Jahre zuvor. Für die kommenden Jahre hoffen wir auf weitere gute Zusammenarbeit für die Belange queerer Menschen, ihrem Schutz und das Ernstnehmen von Hassverbrechen gegen LSBTIQA* und mehr Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, vor allem auch durch die Schaffung eines queeren Zentrums im Herzen der Stadt Freiburg! ❤️🌈 eure CSD Freiburg“

https://www.instagram.com/p/BzS1oxLoJcf/

Rosekids e.V. auf Instagram:

„Toller Abend mit vielen interessanten Gesprächen👏. @martinhornfrbg und die @stadt_freiburg haben die Vertreter*innen der queeren Gruppen Freiburg zu einem kleinem Empfang eingeladen – als Erinnerung an die, sich zum 50.ten Mal jährenden, ‚Stonewall Riots‘ und als Dank für einen tollen CSD Freiburg.“

https://www.instagram.com/p/BzSkgCoCCzs/

Fluss e.V. auf Instagram:

„Gestern wurden wir neben vielen anderen Menschen der queeren Community zum ersten offiziellen CSD Empfang ins Freiburger Rathaus @stadt_freiburg eingeladen. Wir freuen uns, dass das Engagement der vielen Gruppen, Vereine, Einzelpersonen und Initiativen, die sich teilweise seit vielen Jahrzehnten für Akzeptanz, gleiche Rechte und Sichtbarkeit von LSBTIAQ* Menschen in Freiburg einsetzen, gesehen und anerkannt wird. Auf weiterhin gute Zusammenarbeit, viel Freude und vor allem ner Menge Motivation im Kampf gegen Vorurteile und Feindlichkeiten. Danke an alle, die unsere Arbeit schon so viele Jahre unterstützen.“

https://www.instagram.com/p/BzTkjJPoEBx/

Auszüge aus der Rede des Oberbürgermeister Martin Horn

[…] Ganz herzlich begrüße ich das Organisationsteam des diesjährigen CSD, das einen tollen CSD 2019 für Freiburg auf die Beine gestellt hat, und alle Mitglieder der Freiburger LSBTTIQ-Plattform. Und ein herzliches Willkommen an alle anwesenden Stadträtinnen und Stadträte, an Hanna Böhme von der FWTM, und die Vertreterin-nen der Stabsstelle Gender und Diversity der Universität Freiburg. Außerdem unsere Gäste von Verdi, vom Erzbischöflichen Seelsorgeamt, und von den zahlreichen NGOs…Exemplarisch nenne ich hier nur amnesty Südbaden, das Netzwerk LSBTTIQ Baden Württemberg, die Rosa Hilfe, die Rosekids, die Aids Hilfe, die Lesbenfilmtage und die Schwule Filmwoche, und alle weiteren Vertreterinnen und Vertreter von NGOs und anderen Gruppen, die hier nicht auf meiner Anmeldeliste stehen […]

[…] Freiburgs Christopher Street Day hat sich Schritt für Schritt in die oberste Reihe heraufgearbeitet. Nach Berlin und Köln haben wir hier mittlerweile eine der größten Paraden bundesweit.L etztes Wochenende hat Freiburg einentollen, bunten und lebendigen CSD erlebt, mit 16 großen Wagen und vielen tausend Teilnehmenden. Die Schätzungen gehen wie immer auseinander, aber es waren wohl rund 15.000 Menschen auf den Beinen. […]

[…] Das Motto dieses Jahr lautete: „Don’t be quiet -be riot!“. Die Aussicht auf „Riot“ -also auf Krawall und Aufstand in der eigenen Stadt – steht ja ehrlich gesagt erstmal nicht ganz oben auf der Wunschliste eines Oberbürgermeisters. Aber dennoch: Ich finde, das Motto des diesjährigen CSD war sehr gut gewählt. Denn es verweist auf den Ursprung der heute so ausgelassenen, originellen und fröhlichen CSD-Paraden. Und diese Ursprünge sind alles andere als fröhlich gewesen. 21.9.69 wehrten sich Schwule und Lesben in der New Yorker Christopher Street gegen Diskriminierung und Polizeigewalt. In einer Zeit, als nicht nur ein Teil, sondern vermutlich der Großteil der Gesellschaft Schwulenfeindlichkeit für selbstverständlich hielt, und als queere Lebensentwürfe alles andere als Mainstream waren. Während und nach einer Razzia im „Stonewall Inn“ in der Christopher Street im New Yorker Stadtteil Greenwich kam es zu rücksichtslosen Polizeieinsätzen. Das geschah nicht zum ersten Mal, aber neu war, dass die Betroffenen sich wehrten und protestierten und zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer mobilisierten. Die darauffolgenden Proteste und Auseinandersetzungen bildeten die Grundlage für die Schwulen- und Lesbenbewegung, die sich bald über die USA hinaus für Anerkennung und Gleichberechtigung einsetzte. Seither hat die Schwulen- und Lesbenbewegung viel erreicht, vor allem die Abschaffung des Paragraphen 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, und der erst 1994 vollständig gestrichen wurde. Es ist viel mehr passiert als das, und viel mehr, als ich hier aufzählen kann. Deshalb erwähne ich an dieser Stelle die Christoper-Street-Day-Paraden, die in nahezu allen größeren deutschen Städten stattfinden, die unzähligen auch internationalen Filmpreise für den Regisseur Rosa von Praun-heim oder die schrittweise Anerkennung von schwulen und lesbischen Lebensgemeinschaften, bis hin zum Oktober 2017 – denn seitdem können schwule und lesbische Paare genau wie alle Heteropaare in Deutschland endlich heiraten. Die zentralen Fragen nach sexueller Identität, nach Gender und Geschlecht, sind aus der Szene heraus in die breite Gesellschaft getragen worden, und haben viele Menschen, und eben auch viele heterosexuell orientierte Menschen, zum Nachdenken gebracht… über sich, über andere, über Rollenbilder und Rollenklischees. Das hat Schritt für Schritt mehr Offenheit gebracht, in den USA und weltweit, auch hier in Freiburg. Bei uns gibt es zwar keine so große queere Community wie in Berlin, Hamburg oder Köln, aber ich glaube, es gibt viel Offenheit und einen entspannteren Umgang mit vielfältigen Lebens- und Liebesformen als in manchen anderen Städten. Die Stadt Freiburg hat schon früh neben der klassischen Frauenbeauftragten auch eine Stelle für eine Gender-Beauftragte geschaffen – heute die Geschäftsstelle Gender und Diversity. Fach- und ämterübergreifend arbeiten wir zusammen an der Umsetzung von Gender Mainstreaming, Gender Budgeting und Diversity.

Freiburg ist längst eine Stadt der Vielfalt. Aber trotzdem ist mir klar, dass es noch viel zu tun gibt. Wir wollen eine Stadt, died en Interessen und Bedürfnissen aller „Bürger_innen“ gerecht wird. Eine Stadt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, für Jungen und Mädchen, Männer und Frauen, für Lesben, Schwule, Bi-und Transsexuelle, Trans- und Intersexuelle und queere Menschen. Und genauso für Menschen mit Behinderung oder Beeinträchtigung, für Junge oder Alte oder Menschen mit oder auch ohne Migrationshintergrund. So sind wir dabei, in der Stadtverwaltung Schritt für Schritt eine antidiskriminierende und geschlechtersensible Spracheeinzuführen, und haben uns mit dem „3. Gender und Diversity Rahmenplan“ klare Ziele gesetzt und unsere Anstrengungen dokumentiert. Es geht nicht von heute auf morgen, aber wir sind – auch in der Stadtverwaltung – mit vereinten Kräften dabei, die alten Geschlechter-Stereotype zu überwinden, um gute, faire und gleichberechtigte Bedingungen für alle zu schaffen, egal wie sie leben und vor allem lieben wollen! Dass wir hier in Freiburg diese Fragen auf dem Schirm haben, das hat nicht zuletzt der Christopher-Street-Day am vergangenen Wochenende bewiesen… Denn auch wenn der CSD vor allem eine große, schöne und ausgesprochen bunte Party, so hat er mit seinem Zug quer durch die Stadt und seiner tollen Zuschauer_innen-Zahl doch auch eines deutlich gemacht: Dieser CSD hat nicht nur viel Spaß gemacht, sondern auch gezeigt, dass Freiburg es ernst meint und keinen Spaß versteht, wenn es um Diskriminierung und homophobe Gewalt geht. Ich finde es großartig, dass diese Botschaft neben dem Feiern nicht untergegangen ist, und auf vielen selbstgemalten Schildern und Transparenten klar zum Ausdruck kam! „Liebe ist Menschenrecht“, konnte man auf einem der großen Transparente beim CSD letztes Wochenende in Freiburg lesen. Und das ist alles andere als selbstverständlich… Gerade in der jüngsten Zeit versuchen rechte Populisten, Diktatoren und religiöse Fundamentalisten, aber auch manche westlichen Staats- und Regierungschefs, damit zu punkten, indem sie auf Minderheiten und die Genderforschung eintreten. Wir dürfen nie vergessen, dass wir die liberale und offene Gesellschaft, in der wir heute leben, jeden Tag aufs Neue verteidigen müssen. Denn unsere Freiheit ist nicht selbstverständlich!

Liebe Gäste, 50 Jahre nach den Aufständen und Demonstrationen, die der Stonewall Inn Razzia und den Ereignissen in der Christopher Street folgten, hat sich die Welt verändert. Von der Toleranz und Gelassenheit, der Neugierde und Offenheit, die wir uns wünschen, ist sie sicher noch ein gutes Stück entfernt. Aber sie ist auf jeden Fall bereits um einiges bunter, vielseitiger, entspannter und erfrischender geworden, als sie es damals vor 50 Jahren war. Das verdanken wir Aktivistinnen und Aktivisten wie Ihnen, die nicht nur die Rechte der LSBTTIQ-Community verteidigen, sondern damit zugleich auch Offenheit und Toleranz – und damit die Freiheit von uns allen! Dass Sie den tollen Christopher-Street-Day in Freiburg organisiert haben, das ist ein großes Geschenk für diese Stadt. Aber dass Sie damit auch unsere offene Gesell-schaft verteidi-gen, das ist ein noch viel größeres Geschenk!

Vielen Dank dafür Ihnen allen!