Der SONNTAG: Bunte Parade – Fast 10.000 Teilnehmer

Bunte Parade – Fast 10000 Teilnehmer, tausende Zuschauer: CHRISTOPHER STREET DAY in Freiburg

JENS KITZLER

Es ist 15.55 Uhr am gestrigen Samstag, als der Umzug zum Christopher Street Day die Kaiser-Joseph-Straße durchquert hat, und zu diesem Zeitpunkt werden zwei Dinge klar. Zum einen ist die Freiburger Variante der Schwulen- und Lesbenparade in kürzester Zeit zu einer der größten Umzugsveranstaltungen geworden, die es in Freiburg gibt. Als der Zug vor dem Erzbischöflichen Ordinariat Halt macht, um dort wie im- mer auf die Rolle der Kirche bei der Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller aufmerksam zu machen, geht die Zahl der Teilnehmer arg in Richtung der 10 000er-Grenze – und Mitorganisator Ronny Pfreundschuh zieht die komprimierte Bilanz: „Das ist schon ein Knaller.“ In den vergangenen Jahren hätte sich die Teilnehmerzahl jedes Mal fast verdoppelt, erklärt er. Bliebe diese Tendenz, wird auch der Rosenmontagsumzug in Kürze in den Schatten gestellt werden.

Auch klar wird an diesem Nachmittag, dass die Demonstration, als die der Umzug gilt, die Einkaufsmeile offenbar ohne jegliches Sicherheitsproblem passiert hat. Denn darum hatte es in den vergangenen zwei Wochen einen sich zuspitzenden Streit zwischen den Organisatoren und der Stadt gegeben. Das Ordnungsamt hatte den Verlauf des Umzugs über die Kajo aus Sicherheitsgründen untersagt, vor allem der Fahrzeuge wegen – 14 LKW und Lieferwagen, darauf Tänzer, Musikanlagen und Seifenblasen-Kanonen, sollten den Zug begleiten, 13 waren es am Ende. Ob die sicher durch den Einkaufstrubel zu leiten wären, daran hatte das Amt gezweifelt.

Doch als gestern die ersten elektronischen Beats aus Richtung Bertoldstraße dröhnen, wirkt dieser Einkaufstrubel wie ausgeknipst. Blitzartig stellen sich die Passanten, die nicht ohnehin allein wegen des Umzuges gekommen sind – von dieser Sorte sind in diesem Jahr so viele wie noch nie erschienen –, diszipliniert entlang der Straße auf, um das Spektakel zu betrachten. Die nebelspeienden Tanzwagen, rollende Lautsprecherburgen, die kaum erwartbare Schwuhplattler-Gruppe aus Bayern, Männer und Frauen und solche, die sich keiner dieser Kategorien zuordnen, gekleidet in Kostüme, Strapsen, Netzhemden, in Leder – oder auch in überhaupt nichts.

Nach 40 Minuten ist die Kajo durchquert und die Organisatoren des Christopher Street Days fühlen sich bestätigt in ihrer Entscheidung, das Verwaltungsgericht mit der Demo-Routen-Frage betraut zu haben. Denn erst dessen Richter hatten vergangenen Donnerstag dem Ordnungsamt bescheinigt, dass es die Strecke über die Kajo für den Umzug zu genehmigen hätte. Zumindest bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe gab es keine Meldungen über Unfälle irgendwelcher Art. Der Umzug sollte am Abend auf dem Stühlinger Kirchplatz enden.

Quelle: http://www.der-sonntag.de